Die gesetzliche Rentenversicherung für Selbständige

Eigentlich könnte Sie Ihnen egal sein, die gesetzliche Rentenversicherung. Denn sehr zu ihrer Freude sind viele Selbstständige eben eines nicht: Dort Mitglied. Einige Berufsgruppen sind allerdings zur Mitgliedschaft verplichtet. Und auch sonst lohnt sich ein zweiter Blick. Für die meisten Berufsgruppen ist die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) zuständig. Als Selbstständiger werden Sie nicht automatisch versichert, sondern müssen sich von sich aus bei der DRV melden, wenn Sie sich rentenversichern wollen oder müssen.
Tipp: Die DRV unterhält bundesweit rund 1.000 Auskunts- und Beratungsstellen (unter www.deutsche-rentenversicherung.de über den Menüpunkt „Beratung“ zu finden), an die Sie sich für detaillierte Auskünfte wenden können. Unter Umständen lohnt eine private Altervorsorge mehr als eine freiwillige Rentenversicherung. In der gesetzlichen Rentenversicherung müssen Sie, außer in der Künstlersozialversicherung, die gesamten Beiträge selbst bezahlen, das sind derzeit 19,9 Prozent Ihres Einkommens beziehungsweise dessen, was Sie als Bemessungswert angeben.
Aber: Nur wenn Sie in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind (ob auf Antrag, über die KSK oder per Gesetz ist dabei egal), haben Sie Anspruch auf Riester-Förderung bei einer privaten Altersvorsorge. Die Rürup-Rente mit steuerlichen Vorteilen steht hingegen allen offen.
Immerhin ein Vorteil: Die meisten Selbständigen können frei entscheiden, ob sie sich freiwillig versichern oder auf Antrag eine Plichtversicherung eingehen.
Freiwillige Rentenversicherung
Als Selbstständiger können Sie sich freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern. Sie müssen dabei keine Vorversicherungszeiten, keine Eintritts- oder Kündigungstermine beachten, sondern können die freiwillige Rentenversicherung jederzeit aufnehmen und auch wieder beenden.
Wie viel Sie tatsächlich verdienen, ist für die freiwillige Rentenversicherung unerheblich. Sie können das Einkommen, nach dem Ihre Beiträge berechnet werden, frei angeben. Allerdings muss Ihr Bemessungswert mindestens 400 Euro betragen und darf die Beitragsbemessungsgrenze von 5.500 Euro nicht übersteigen. Bei einem Beitragssatz von 19,9 Prozent beträgt der Mindestbeitrag also 79,60 Euro (19,9 Prozent von 400 Euro), der Höchstbeitrag 1.094,50 Euro. Bemessungswert und Beiträge sind, anders als bei der Plichtversicherung, in Ost- und Westdeutschland identisch. Und
natürlich gilt: Je höher Ihr Bemessungswert beziehungsweise ihr Beitrag, desto höher ist später Ihre Rente.
Plichtversicherung auf Antrag
Sie können bei der DRV aber auch den Antrag auf Plichtversicherung stellen. Allerdings wird zur Berechnung der Beiträge ein Monatseinkommen in Höhe der Bezugsgröße herangezogen – das sind momentan 2.555 Euro (im Westen) beziehungsweise 2.240 Euro (im Osten). Bei einem Beitragssatz von 19,9 Prozent müssen Sie dann einen Monatsbeitrag von 508,45 (West) beziehungsweise 445,76 Euro (Ost) zahlen und zwar in voller Höhe, da es ja keinen Arbeitgeberanteil gibt. Berufsanfänger müssen in den ersten drei Jahren ihrer Selbstständigkeit nur die Hälfte davon zahlen. Wenn Sie weniger verdienen und das auch nachweisen können, ist ein entsprechend reduzierter Monatsbeitrag möglich.
Zum Nachweis des tatsächlichen Einkommens verlangt die DRV den letzten Steuerbescheid und schlägt darauf die seit diesem Zeitpunkt erfolgten durchschnittlichen Einkommenserhöhungen auf. Wenn Ihr Einkommen seit dem letzten Steuerbescheid jedoch um mehr als 30 Prozent gesunken ist und Sie das mit Unterlagen wie Kontoauszügen oder Autragsnachweise belegen können, kann Ihr Bemessungswert auch niedriger angesetzt werden. Wenn Sie weder einen Steuerbescheid noch »geeignete Unterlagen vorlegen können (beispielsweise weil Sie sich gerade erst
selbstständig gemacht haben), müssen Sie das zu erwartende Einkommen gewissenhaft schätzen. Nach dieser Schätzung werden die Rentenbeiträge berechnet, bis der erste Steuerbescheid vorliegt. Danach werden alle zuküntigen Beiträge nach dem jeweiligen Steuerbescheid berechnet.
Achtung! Sie können den Antrag auf Pflichtversicherung nur in den ersten fünf Jahren der selbstständigen Tätigkeit stellen und die Pflichtversicherung auch nur wieder beenden, wenn Sie Ihre Selbstständigkeit aufgeben.
Plichtversicherung für bestimmte Berufe und Gruppen.
Einige Selbstständige haben gar keine Wahl: Sie müssen verpflichtend in die staatliche Rentenversicherung einzahlen, sobald sie mit der betreffenden Tätigkeit (was sie sonst noch machen, ist unerheblich!) mehr als 400 Euro im Monat beziehungsweise 4.800 Euro im Jahr verdienen, wenn sie selbst keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschätigen und ihr Unternehmen keine Kapitalgesellschaft ist.
Diese Verdienstgrenze von 4.800 Euro im Jahr ist allerdings der Gewinn im Sinne des Einkommensteuerrechts. Von Ihrem Umsatz können Sie also zunächst Ihre Betriebsausgaben abziehen. Die Versicherungsbeiträge bemessen sich dann genauso wie bei der Pflichtversicherung auf Antrag. Betrofen sind von dieser Regelung unter anderem Selbstständige in Lehr-, Heil- und Plegeberufen (darunter fallen auch Tagesmütter und Aerobictrainer), Hausgewerbetreibende oder alle, die ein zulassungsplichtiges Handwerk ausüben, sowie Selbstständige, die aufgrund eines Dauerauftragsverhältnisses oder regelmäßig wiederkehrender Auftragsverhältnisse mehr als 5/6 ihrer Honorare von ein und demselben Auftraggeber bekommen.
Wenn Sie unsicher sind, ob Sie zu einer dieser Gruppen gehören, sollten Sie sich bei der DRV genau erkundigen. Wenn Sie zu dieser Gruppe gehören, müssen Sie sich von sich aus in den ersten drei Monaten nach Aufnahme der versicherungsplichtigen Tätigkeit bei der DRV melden. Der Beitragssatz wird wie bei der Plichtversicherung auf Antrag berechnet. Berufsanfänger können sich in den ersten drei Jahren von der Versicherungspflicht befreien lassen. Wer sich nicht meldet, muss mit Nachzahlungen bis zu vier Jahren rückwirkend rechnen. Wenn die DRV vermutet, dass man sich vorsätzlich nicht versichert hat, sogar bis zu 30 Jahren. Aber auch die Nachzahlungsverpflichtungen wegen nicht rechtzeitiger Meldung einer Honorartätigkeit verjähren nach vier Jahren. Wer meint, er würde nicht erwischt: Die DRV macht regelmäßige Betriebsprüfungen vor allem bei solchen Auftraggebern, die viele Honorarkräfte in der betrefenden Berufsgruppe beschätigen.

2017-02-03T21:28:43+00:00